Fallstricke der Freiberuflichkeit (1)

Intro

Ob freiberuflicher Unternehmensberater, IT-Spezialist, Architekt, Arzt oder, oder:

Immer wieder sind es die gleichen Themen, die mir begegnen:

  • Der Steuerbescheid und die Erkenntnis: Die geforderten Nachzahlungen sprengen meine Liquidität.
  • Mein Stundensatz – wie berechne ich den eigentlich und wie vergleiche ich den mit einem Angestelltengehalt?
  • Das Thema Altersvorsorge – irgendwann bist Du 50 und stellst fest, ich hätte mehr tun können/müssen
  • Überschussrechnung und Liquiditätsplanung: Wieso steht es um die Liquidität so schlecht, obwohl die Gewinn- und Verlustrechnung so gut aussieht?
  • Scheinselbständigkeit – wie gehe ich damit um?

Grund genug für mich, sich damit ein wenig intensiver auseinanderzusetzen … und so mache ich heute gleich mal den Anfang.

Freiberuflichkeit und Steuern – ein Dauerthema

Ob nun in der Anfangsphase der freiberuflichen Tätigkeit oder in einer Phase, in der es mit den Umsätzen deutlich nach oben geht: Es ist die klassische Falle, in die viele Freiberufler stolpern – und aus der sie nur schwer wieder herauskommen.

Die Steuervorauszahlungen decken nicht im Ansatz die zu erwartende Steuerlast, die Steuererklärung wird zum Ultimo abgegeben (also unter Ausnutzung der Jahresfrist) und plötzlich flattert ein Steuerbescheid herein, der nicht nur eine hohe Nachzahlung für das Jahr der Steuererklärung beinhaltet, sondern auch noch für das Folgejahr eine ebenso hohe Forderung auf bis dato zu geringen Steuervorauszahlungen. Mit anderen Worten:

Es sind Steuernachzahlungen für 2 Jahre fällig, die laufenden Vorauszahlungen werden auch noch angehoben und die Rücklagen reichen nicht aus.

Was also tun?

Zahlen, natürlich – es bleibt ja auch nichts anderes übrig. Vater Staat kennt kein Pardon. Aber woher nehmen? Und was bedeutet das für die Zukunft?

Zunächst einmal müssen die Steuern gezahlt werden. Und das nach Möglichkeit, ohne dass Rücklagen für Steuern des aktuellen Jahres, Mindestreserven für Phasen der Krankheit etc. aufgelöst oder Kapitalanlagen verlustbringend verkauft werden.

Mindestens genauso wichtig: Eine Wiederholung dieser Situation unbedingt vermeiden. Keine dauerhaften Nachzahlungen oder Steuerschulden. Sonst beginnt ein Teufelskreis, der sich irgendwann fürchterlich rächen kann (spätestens dann, wenn die Umsätze einmal in den Keller gehen, die Steuerschulden des letzten Jahres aber noch nicht bezahlt sind).

Also heißt es: Verkauf von Luxusgütern, Ratenzahlung mit dem Finanzamt verhandeln (ja, das geht), ggf. langfristige Darlehen aufnehmen – und vor allem: Eine realistische Planung für die Zukunft betreiben. Realistisch? Genau: Realistisch! Realistisch heißt:

  • Ich kenne meine Umsätze und Kosten, ich weiß um die zu erwartende Steuerlast und ich bilde ab sofort entsprechende Rücklagen für die Zukunft.
  • Ich kenne die Bedeutung des Begriffs Abschreibung („Absetzung für Abnutzung„) und weiß, dass Ersatzinvestitionen eines Tages Liquidität verlangen – also: Abschreibungsbeträge sparen!
  • Eine monatliche BWA des Steuerberaters ist hilfreich, aber nicht ausreichend:
    • Ich analysiere meine Finanzsituation und kenne meine monatliche „Cash Burn Rate“ – was sind meine Ausgaben (beruflich wie privat).
      • Abschreibungen sind nicht ausgabewirksam,
      • Investitionen erfordern Liquidität hier und jetzt.
      • Tilgungen von Darlehen sind keine Betriebsausgaben – das gilt nur für Zinslasten.
    • Ich habe eine aktuelle Budgetplanung und habe einen Forecast über die nächsten Monate.
    • Ergo: Ich habe eine aktuelle und zukunftsgerichtete Liquiditätsplanung
  • Ich gebe nur Geld aus, dass ich verdiene und spekuliere nicht mit Umsatzsteigerungen, die ich erhoffe.
  • Ich ziehe Konsequenzen – entlang der Maslow-Pyramide – von oben nach unten. Beispiel Firmenwagen: Es geht im Regelfall auch 1-2 Nummern kleiner. Es muss nicht der 5er, ein A6 oder die E-Klasse sein, es geht auch deutlich darunter. Das gleiche gilt übrigens für Uhren und Gadgets, die morgen schon alt sind.

Wie mache ich das Ganze?

In den allermeisten Fällen reicht es aus, sich mit ein wenig Überlegung einige Exceltabellen anzulegen (muss nicht Excel sein, geht auch anders). Wer ein professionelles Buchhaltungsprogramm nutzt, umso besser:

  • Die eigene, vorläufige Überschussrechnung, sofern es keine monatliche BWA vom Steuerberater gibt
  • Eine Liquiditätsplanung
  • Das persönliche Budget – am besten ausgehend vom zu erwartenden Jahresüberschuss

Auf Nachfrage stelle ich so etwas auch gern zur Verfügung 🙂

Mein Tipp:

Wenn die Anzahl der Belege p. a. überschaubar ist – ca. 60-70 pro Monat sind ein guter Richtwert – macht Eure eigene, ggf. vorläufige Überschussrechnung und gebt die Umsatzsteuervoranmeldung selber ab. Das erfordert lediglich ein wenig Disziplin, ist mit einem Aufwand von 1-2 Stunden im Monat machbar und schafft ein besseres Gefühl für die eigenen Zahlen!

Das Positive an dieser Situation:

Es relativieren sich eine Menge von Dingen und es wäre nicht das erste Mal, dass sich materielle Wertesysteme deutlich justieren. Je früher, desto besser 🙂

– to be continued –

Kommentar verfassen